Wir bilden unsere Spezialisten aus, damit sie uns weiterhelfen

Ausbilden bedeutet auch gemeinsames Lernen.Je nach Quelle schwanken die Angaben, klar scheint aber: Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit fehlen IT-Spezialisten. Vor diesem Hintergrund erlangt das kleine Jubiläum des Kreis-Nienburger Softwareentwicklers isyde einen besonderen Stellenwert: Seit zehn Jahren sind die Balger Ausbildungsbetrieb. Wer in dieser Zeit zur Prüfung antrat, hat sie auch bestanden - und verfügt über beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland und der Welt.

Um Karriere zu machen, muss man indes nicht unbedingt nach Glasgow oder St. Petersburg gehen. Thorben Dierking ist das beste Beispiel: „Ich bin ein absolutes isyde-Eigengewächs“, sagt der 31-Jährige. Er war seinerzeit der erste Auszubildende in der Softwareschmiede und hat es inzwischen zum Prokuristen gebracht. Sich selbst bezeichnet er aber scherzhaft auch als „Azubi im Zehnten“ – Ausdruck einerseits des gesamten Firmenlebens, das auf Fortentwicklung und buchstäblich „lebenslanges Lernen“ ausgelegt ist, zum anderen aber Einblick in die Ausbildungsinhalte erlaubt, die in Balge vermittelt werden. „Die Ausbildung zum Fachinformatiker Anwendungsentwicklung ist bei uns sehr individuell ausgestaltet. Wir versuchen, den Nachwuchs schon früh, eventuell schon im ersten Jahr, in konkrete Projekte einzubinden.“

Die jungen Leute programmieren also nicht für den sprichwörtlichen Mülleimer, wie beispielsweise das Programm eyesyde eindrucksvoll belegt: Das viel beachtete und auf Landes- und Bundesebene preisgekrönte Programm zur Simulation von Farbfehlsichtigkeiten hatte die damalige Auszubildende Anna Scholz während ihrer Ausbildung entwickelt.

Den schulischen Part absolvierten die Auszubildenden ursprünglich in Hannover, seit nunmehr zwei Jahren aber an der Berufsschule in Nienburg. Sieben junge Leute hat isyde bislang zur Prüfung angemeldet; alle haben bestanden. Prokurist Dierking wundert das nicht: „Wir investieren natürlich Zeit und Geld in den Nachwuchs, denn unser Ziel ist grundsätzlich die betriebliche Übernahme. Wir bilden unsere Spezialisten aus, damit sie uns weiterhelfen. Darum ist die Ausbildung auch sehr vielfältig und individuell gehalten.“

Die „maßgeschneiderte“ Ausbildung ist für das Unternehmen aus Balge auch ein Weg, dem Fachkräftemangel zu begegnen: Selbst in Indien, dessen IT-Spezialisten der Computerbranche häufig als Allheilmittel angepriesen werden, geht man laut Nasscom, der indischen Handelskammer für die IT-Branche, inzwischen nicht mehr davon aus, den weltweiten Bedarf decken zu können. Da sollte es ein Mittelständler aus dem Landkreis Nienburg eher schwer haben, guten Nachwuchs zu finden, doch das ist bislang noch immer geglückt. Sicher auch, vermutet Thorben Dierking, weil man sich bei der Wahl des betrieblichen Nachwuchses keinen Dogmen unterwirft: „Grundsätzlich gehen wir bei Bewerbern von Abitur aus. Aber wenn sich ein Realschüler bewirbt, die Bewerbung uns anspricht, er oder sie was kann und zu uns passt – warum nicht?“

Die Zukunft für IT-Spezialisten sei jedenfalls gesichert, glaubt Dierking: „Den Design-Elementen kommt eine größere Bedeutung zu, Anwendungen für Tablets und Smartphones erfordern eine andere Nutzerführung. Aber das ,Programmierhandwerk’ an sich wird bestehen bleiben.“

15.3.2013