Ein Eigengewächs mit Modellcharakter

Kreisverband für Wasserwirtschaft und isyde vereinbaren Kooperation

Nienburg. Software-Konzerne verweisen gern darauf, dass die von ihnen entwickelten Programme im Grunde fast alles können, sich auf jeden Fall problemlos auf- und umrüsten lassen und mit allen anderen namhaften Programmen kompatibel sind. Fragt man den einfachen Anwender, scheinen Anspruch und Realität einander aber nicht immer in Gänze zu entsprechen. Der Kreisverband für Wasserwirtschaft hat solchen Enttäuschungen von vorn herein vorgebaut und verfügt über eigene Software. Jetzt hat der Kreisverband einen Kooperationsvertrag mit den Kreis-Nienburger Software-Entwicklern von isyde abgeschlossen. In der Folge kann der Kreisverband in punkto IT nicht nur unabhängig und flexibel bleiben; was die IT-Dienstleister in Kooperation mit dem Verband entwickeln, könnte Schule machen.

„Dass wir als vergleichsweise kleiner Versorger über eine eigene Software verfügen, mag manchen vielleicht verwundern“, sagt Gaylord Kurre, stellvertretender Geschäftsführer des Kreisverbandes für Wasserwirtschaft. „Wir sind aber durchaus froh, dass das so ist!“ Denn die vor 30 Jahren eigens für die Belange des Kreisverbandes geschriebene Software erwies sich als überaus flexibel und praktisch: Sie lässt sich, so Gaylord Kurre, problemlos aktualisieren und erweitern. Vor allem aber ist sie schlank, benutzerfreundlich und einerseits auf die Bedürfnisse des Kreisverbandes abgestimmt, während sie andererseits einfach erweitert werden könnte.

Künftig arbeitet der Kreisverband mit isyde zusammen. Das Unternehmen mit Sitz in Mehlbergen nennt unter anderem verschiedene Bundesministerien, das Bundeskanzleramt und die Bundesnetzagentur als Kunden. Wie kommt ein Unternehmen mit diesem Kundenstamm mit dem Kreisverband zusammen? „Die eigene Software des Kreisverbandes ist interessant. Davon können wir lernen“, sagt Geschäftsführer Thomas Friebe. Sein Haus übernimmt künftig Pflege und Wartung der Programme.

Im Gegenzug erhält isyde die Möglichkeit, die Software und ihre Module zu analysieren. Auf Basis der dabei gesammelten Erfahrungen wollen die Softwareentwickler aus Mehlbergen ein Programm entwickelt werden, das einerseits ideal für kleine und mittlere Wasserversorger ist; andererseits aber flexibel und ausbaufähig bleibt und sich mit gegebenenfalls schon bestehenden Software-Lösungen nicht beißt. So etwas könnte, meint Thomas Friebe, durchaus nicht nur für deutsche Versorger interessant sein: Gerade in Schwellenländern in Asien, Afrika und Südamerika genießt eine zentrale Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Wasser häufig Priorität gegenüber Strom- oder Gaslieferungen. Es könnte eine Software entstehen, die sich modular den jeweiligen Bedingungen im ländlichen Brasilien, in Namibia oder auf den Kapverden anpassen lässt und mit den Anforderungen wächst. „Klassische“ Software für Versorgungsunternehmen ist dafür in der Regel zu umfangreich, aufwändig und wartungsintensiv.

27.10.2011