Der „Praxisbutler“ zu Gast in der Hauptstadt

Hält er, was er verspricht? Und was genau verspricht er eigentlich alles? Grob gesagt um diese beiden Fragen ging es bei der jüngsten Tagung des VFP-Arbeitskreises Berlin: In der Spreemetropole wurde der „Praxisbutler“ dem interessierten Fachpublikum vorgestellt. Das Softwareentwicklungsunternehmen i.syde aus Niedersachsen hat die Praxissoftware in enger Zusammenarbeit mit dem VFP speziell für die Belange freier Psychotherapeuten, psychologischer Berater und Heilpraktiker für Psychotherapie entwickelt.

Über Jahre war der VFP auf der Suche nach einer Software, die auf den Arbeits- und Büroalltag seiner Mitglieder zugeschnitten ist. „Die Zahl unserer Mitglieder steigt ständig, unser Berufsstand wächst rasant“, sagt Dr. Werner Weishaupt, Präsident des VFP. „Aber gerade was die Praxisverwaltung angeht, mussten wir uns immer irgendwie behelfen. Es gab schlicht kein Programm, das unserem Bedarf entsprochen hätte.“ Ärgerlich, denn die oftmals lästige, aber unumgängliche Verwaltung der eigenen Praxis entpuppte sich in vielen Fällen schnell als teurer Zeitfresser. i.syde will das ändern: „Das Unternehmen aus Niedersachsen hat sich auf die Entwicklung von Individualsoftware spezialisiert“, so Dr. Weishaupt.

„Die Kundenliste der Softwareschmiede ist beeindruckend: Dort finden sich der Deutsche Wetterdienst, das Bundesverteidigungsministerium, aber auch das Senckenberg-Institut oder die Hansestadt Hamburg.“ „Das klang vielversprechend“, findet Melanie Weishaupt, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Betriebswirtin, die das Projekt als Co-Autorin begleitet hat. Das Kreis-Nienburger Unternehmen entwickelte für den VFP eine Software, die, sagt Melanie Weishaupt, „das kann, was sie können soll, ohne unnötigen Ballast. Das war genau unser Ziel!“

Die reine Entwicklungsarbeit am „Praxisbutler“ dauerte nicht einmal drei Jahre. „Das finde ich in der Rückschau immer noch bemerkenswert“, staunt Dr. Weishaupt. „Für uns war das vorab ein Riesen-Berg. Wir hätten gar nicht gewusst, wo wir anfangen sollten. Es war toll, dass uns die Entwickler inhaltlich immer ,mitgenommen‘ haben.“ Dieses enge Miteinander macht aber Sinn, erklärt Anna Scholz von i.syde, die gemeinsam mit Chefentwickler Christoph Berndt nach Berlin gekommen war. „Der VFP brachte sein Fachwissen ein und wir unseres. Am Ende haben wir jetzt eine Software, die sozusagen im wahren Leben die komplette Verwaltung der Praxis ermöglicht. Und das unabhängig davon, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Unternehmen hat und ob jeder auf alles zugreifen soll oder ob – was ja meist der Fall ist – bestimmte Bereiche Zugriffsbeschränkungen unterliegen.“

Bei der Entwicklung sei großer Wert auf die Datensicherheit gelegt worden, betont Melanie Weishaupt: „Das bezieht sich zum einen auf den möglichen Versuch Unbefugter, an Daten heranzukommen. Zum anderen geht es aber darum, dass Externe – beispielsweise Kostenträger – problemlos die Datensätze bekommen, die sie bekommen sollen. Aber auch nicht mehr.“

Anna Scholz und Christoph Berndt vom i.syde-Entwicklerteam standen den Teilnehmern in Berlin Rede und Antwort: Wo liegen die entscheidenden Unterschiede zu Computerprogrammen, die es schon am Markt gibt? Chefentwickler Christoph Berndt: Je allgemeiner eine Bürosoftware ausgelegt ist, desto wahrscheinlich werden branchenspezifische Anforderungen nicht erfüllt. Andererseits kaufen die Nutzer aber einen ganzen Haufen Programmbestandteile und Funktionen mit, die sie nie benötigen werden, die sie aber trotzdem beherrschen müssen, damit das Programm anständig läuft. Durch den direkten Schulterschluss mit dem eigens für die Entwicklung dieser Software ins Leben gerufen Team des VFP war sichergestellt, dass der „Praxisbutler“ die Anforderungen der VFP-Mitglieder erfüllt. Angefangen von der Abrechnung über die Pflege der Klientendaten bis zur Raumverwaltung in größeren Praxen.

Die Software läuft stabil und sicher auf Laptop und PC, bestätigt das VFP-Team: „Man braucht keine Internetverbindung.“ Die Kompatibilität mit möglicherweise vorhandener Software sei sichergestellt. Die Bedienung sei intuitiv möglich und folge der Arbeitslogik von Heilpraktikern und Psychotherapeuten; „außerdem“, so Anna Scholz von i.syde, „war uns wichtig, dass man mit dem Programm auch arbeiten kann, wenn man kein Computer-Profi ist.“ Die Software, so Scholz, sei kein Selbstzweck; sie solle den Nutzern das Arbeitsleben erleichtern.

Dass das keine leeren Worte sind, zeigen nach Einschätzung von Melanie Weishaupt auch die Arbeiten der letzten Wochen: Obwohl das Programm eigentlich schon fertig war, wurden kleinere Ergänzungen aus den Reihen der VFP-Mitglieder ganz unbürokratisch noch eingearbeitet.Auch preislich ist das Programm Euro durchaus erschwinglich, dazu gibt es einen Sondertarif für Schüler und Studenten. „Ich glaube, unsere Mitglieder werden mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein“, ist Dr. Weishaupt überzeugt.

19.6.2015